Informationen und Service für interessierte Tierhalter

Ohrenerkrankungen

 

Ein großer Teil der vorgestellten Erkrankungen bei Hunden und Katzen hat mit der Haut und/oder den Ohren zu tun. Bei den Ohrerkrankungen gibt es offensichtlich einige Rassen, die des Öfteren betroffen sind als andere. Das dieses so ist, hat der Mensch als Liebhaber spezieller Ausdrucksformen, die sich in speziellen Rassen wieder finden, zu verantworten. Der Eindruck eines Hunde- oder Katzengesichtes wird maßgeblich durch die Ohren geprägt.

 

Mit den Ohren ihrer Ahnen haben die Ohren dieser Kandidaten nicht mehr gemeinsam, hier ist eine regelmäßige Kontrolle und Pflege unerlässlich (Quelle: links: Gridle/pixelio.de, Mitte: Mi.Eva/pixelio.de, rechts: Claudia-Hautumm/pixelio.de)


Veränderungen der Ursprungsohrform (Wolf > Rassehund, bzw. Falbkatze > Rassekatze) wurden im Zeitablauf durch Zuchtauslese oder chirurgisch (kupierte Ohren) erzielt, wobei erfreulicherweise das Kupieren von Ohren mittlerweile verboten ist (zumindest in Deutschland).

 

Links kupierter, rechts natürlicher Dobermann (Urheberrecht T.Marschall)


Oftmals wurden dabei wenig die physiologischen Erfordernisse der Tiere berücksichtigt. Modische (z.B. Moderassen wie Mops, Scottish Fold Katzen) oder funktionale (z. B. Jagdhunde) Aspekte standen vielmehr im Focus der Bemühungen. Insofern sind die vielen bekannten, rassetypischen Erkrankungsdispositionen Haus- bzw. Menschengemacht. 

 

So erkranken Hunde mit eng anliegenden, stark behaarten Schlappohren (z. B. Cockerspaniel, Shih Tzu etc.) oder gestauchten Ohren/Ohrgängen (z.B. Mops, Bullterrier etc.) sehr viel öfter an einer Ohrerkrankung als Hunde mit offenen, gut belüfteten Ohren.

Das Ohr ist ein Sinnesorgan mit gleich zwei Funktionen und vereint als Ganzes das Gleichgewichts- und Gehörorgan. Tiefgehende Erkrankungen können daher zu sehr massiven und einschränkenden Beeinflussungen führen, daher ist eine möglichst frühzeitige Behandlung dringend anzuraten.

 

Aufbau eines Hundeohres. Alle Reinigungsaktivitäten des Halters sollten nicht weiter bis zum Pfeil (Knorpel) gehen!


Keinesfalls sind Vorgehensweisen wie „die paar Ohrmilben wollten wir übernächsten Monat im Rahmen der Jahresimpfungen mitbehandeln lassen“ zu akzeptieren. In fast allen Fällen sind anfängliche Ohrerkrankungen einfach und problemlos zu behandeln. Dieses ist nicht mehr der Fall, wenn sich Infektionen im Ohr festgesetzt und im Zeitverlauf noch schlimme, zusätzliche Sekundärerkrankungen hervorgerufen haben.

 

Bild links: anfängliche Otitis externa, Bild rechts: hochgradige Otitis externa


Gelegentlichem Kopfschütteln und harmlosem Kratzen folgt Ohrausfluss, wenig später wird alles intensiver, die gebildeten Sekrete sind deutlich wahrnehmbar (stinken) die Ohren sind verdickt/geschwollen, meist sehr warm und dann ist auch klar erkennbar: es geht dem Tier nicht gut. Warten Sie nicht solange ab, stellen Sie Ihr Tier rechtzeitig einem Tiermediziner vor.

 

Ursachen von Ohrerkrankungen

 

Bakterielle Infektionen

 

Hiervon sind oftmals Hunde mit Hängeohren betroffen, da diese Ohren ein nahezu ideales Umfeld (warm, feucht, dunkel) für Bakterien bereitstellen. Gleiches gilt für Tiere mit starkem Haarwuchs in den Ohren oder Hunde, die gerne und oft baden gehen. Der äußere Gehörgang ist gerötet und an den Gehörgangswänden befindet sich eine schmierige und stinkende Masse, bestehend aus sich zersetzendem Zerumen (Ohrschmalz), Exkremente der Bakterien sowie zersetzende Kadaver abgestorbener Bakterien. Die Entzündung ist schmerzhaft und kann sich auf das Innenohr ausdehnen und somit das Gleichgewichtsorgan mit einbeziehen.

 

Infektionen durch Pilze

 

Obwohl Pilze (meist Hefepilze) auch in gesunden Hundeohren gefunden werden, so sind sie deutlich häufiger in erkrankten Ohren zu entdecken. Meist nehmen sie überhand, wenn durch die Gabe von Antibiotika die bakterielle Infektion „Platz macht“ (Antibiotika wirkt nicht bei Pilzerkrankungen).

Oftmals muss eine kombinierte oder nach gelagerte Behandlung erfolgen, was ein Tiermediziner entscheiden muss.

 

Infektionen durch Ohrmilben (Otodectes cynotis)

 

Ohrmilben sind Ektoparasiten, die sich leicht von Tier zu Tier übertragen lassen. Allerdings treten Ohrmilben bei Hunden weitaus geringer auf als bei Katzen. Ohrmilben lassen sich relativ leicht diagnostizieren und sind auch für den Laien am typischen schwarzen, krümeligen, kaffeesatz-ähnlichen Ohrsekret erkennbar. Oftmals und bei fortgeschrittenen Infektionen bilden sich Milbenkolonien bereits außerhalb des Ohrganges und sorgen auch da für heftigen Juckreiz, so dass diese Bereiche häufig blutig gekratzt und entzündet sind (meist bei Katzen und Nagern, weniger bei Hunden). Infektionen durch Ohrmilben müssen sorgfältig untersucht und behandelt werden, da sich  fast immer Sekundärinfektionen einstellen und dem Tier sehr große Schmerzen bereiten.

 

Bild links: Ohrmilbe (Otodectes cynotis, Bild recchts: Ohrmilben im Hundohr


Infektionen durch Fremdkörper

 

Insbesondere unsere „aktiven“ Rassen können eine Otitis externa (Ohrentzündung des äußeren Gehörganges) bekommen, indem Fremdkörper wie Grashalme, Pflanzensamen, Grannen etc. im Ohrgang für eine Entzündung sorgen.

Entfernt man diese Fremdkörper (nur mit speziellen Instrumenten) rechtzeitig, so kann eine Infektion meist verhindert werden. Hierfür muss das Ohr jedoch gereinigt und untersucht werden, ein zweifelsfrei geringer Aufwand im Vergleich zu einer späteren Otitis externa Behandlung. Falls es nicht ohnehin zur Routineuntersuchung ihres Tiermediziners gehört, sollten Sie die notwendige Ohruntersuchung bei ihren künftigen Besuchen aktiv ansprechen. 

 

Infektionen durch Allergien

 

Hunde, die zu Allergien neigen, haben zu 80% auch entzündete Ohren. Meist sind beide Ohren direkt beim Eintritt der Überreaktion (Allergie) betroffen, andere Ausprägungen zeigen sich erst später.

Leider gibt es auch Fälle, wo ausschließlich die Ohren betroffen werden. In diesen Fällen stellt die Ohrentzündung die Spitze des Eisberges dar und ist Ausdruck eines anderen schwerwiegenden Problems.

Für den Tiermediziner und Halter bedeutet es eine langwierige und schwierige Diagnostik, welche ohne aktive Unterstützung durch den Tierhalter nicht zu leisten ist.

 

Ohrentzündungen - meist eine Folge eines Parasitenbefalles oder einer allergischen Reaktion (oft Futtermittelallergie) (Quelle: Farbatlas der Hautkrankheiten bei kleinen Haustieren, G.T.Wilkinson, R.G.Harvey, Schlütersche Verlag u. Druckerei 1999)


Welche Maßnahmen können durch den Halter erfolgen?

 

Um es gleich vorweg zu nehmen, Ohrentzündungen – auch kleineren Ausmaßes – gehören in die Hände eines Tiermediziners. Jegliches Selbst-Herumdoktern mit Tinkturen, Puder oder Salben aus vom Zoohandel oder Drogeriemarkt sind gefährlich und sollten ausnahmslos unterlassen werden.

Zu schnell können Fehldiagnosen bzw. –behandlungen zu bleibenden, irreversiblen Hörschäden führen. Für den Laien ist es kaum erkennbar, ob es sich um eine Pilz-, bakterielle oder kombinierte Infektion handelt.

Betrachtet man dabei die Wichtigkeit des Gehörsinnes bei unseren Tieren im Gegensatz zu uns Menschen, so zeigt sich das Ausmaß der Katastrophe.

Allerdings ist die regelmäßige Inspektion der Ohren eine wichtige Aufgabe des verantwortungsbewussten Tierhalters. Hierbei sollte eine Inaugenscheinnahme, sowie Reinigung der äußeren und inneren Ohrmuschel erfolgen. Den Gehörgang bitte in Ruhe lassen und keinesfalls mit Wattestäben o.ä. für eine „tiefgehende Grundreinigung“ sorgen. 

Sollten dabei verdächtige Stellen, Reaktionen oder gelöste Sekrete auftreten, ist eine Konsultation des Tiermediziners notwendig und zu empfehlen.

Zur Reinigung empfiehlt sich eine milde Calendula-Lösung oder spezielle Ohrreinigungslotionen, die aber ölfrei und dünnflüssig sein sollten. Wir verwenden in unserer Praxis eine selbst hergestellte Calendular-Tinktur, die ölfrei und auf Alkoholbasis für eine schonende Reinigung und Desinfektion sorgt. Die eigentliche Reinigung erfolgt am besten mit einem leicht getränkten Baumwolllappen bzw. Mullkompresse im äußeren Bereich des Innenohres.

Wenn diese Prozedur spielerisch und regelmäßig, möglichst im Welpenalter beginnend, durchgeführt wird, so gehört diese wichtige Kontroll-und Reinigungsmaßnahme bald zum Alltag, die vom Tier ohne besondere Abwehraktionen akzeptiert wird.

Alles, was darüber hinausgeht, sollte dem Tiermediziner vorbehalten bleiben.

 

Hat sich erst einmal eine Ohrentzündung eingestellt, so müssen die Ohren regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Je nach Ursache und Krankheitsverlauf muss dann die Entzündung bzw. die unterschiedlichen Entzündungen behandelt werden. 

Meist reicht eine lokale Therapie in Form spezieller Ohrtropfen aus. Bei chronischen oder besonders ausgeprägten Entzündungen sind allgemeine entzündungshemmende Medikamente anzuraten.

Als sehr effektiv und nebenwirkungsfrei hat sich die Lasertherapie bewährt, die bei jeder Form der Otitis externa angewendet und den Heilungsprozess deutlich verkürzen kann.

Bei chronischen Ohrentzündungen wäre es sicherlich einen Versuch wert, die immer noch recht unbekannte Akupunkturbehandlung anzuwenden. 

Mit ihr konnten bereits erstaunliche Erfolges erzielt werden, allerdings sind hierfür oftmals längere Behandlungszeiträume notwendig und scheitern dann leider an der aufkommenden Ungeduld des Halters.

 

Gesundes Hundeohr und vorbildlich sauberer Gehörgang

 

Falls Fragen zum Thema können Sie und gerne ansprechen.

 

Ihre Tierheilpraxis Materia Medica

 

Kontakt:   

Tierheilpraxis Materia Medica

Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

Werner Hellweg 80

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