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Epilepsie – das Gewitter im Kopf des Tieres

 

Ein Horrorszenario schlechthin – ein Tierbesitzer muss mit ansehen, wie sein geliebtes Tier auf einmal spontan krampfartig zuckt und zittert, vielleicht Kopf und Hals verdreht, mit den Gliedmaßen rudert, speichelt, gegebenenfalls Urin und Kot verliert und final sogar bewusstlos wird. 

Die Panik, sein Tier plötzlich zu verlieren, versetzt dabei viele Tierhalter in Angst und Schrecken und man ist erst einmal erleichtert, wenn der ganze Spuk nach ein paar Minuten wieder nachlässt.

Was war das, was Ihr Tier für eine kurze Zeit aus dem normalen Tagesgeschehen riss?

Warum wiederholen sich diese Attacken in regelmäßigen oder aber auch in unregelmäßigen Abständen? 

Fragen die sich bei derartigen Ereignissen ergeben und die an dieser Stelle erörtert werden sollen, natürlich ohne jedoch den Anspruch einer „alternativen Diagnosestellung“ (im Sinne ohne Hinzuziehung eines Tiermediziners) zu erheben.

 

Eine mögliche Ursache könnte ein epileptischer Anfall sein, der leider auch Tiere fast aller Gattungen treffen kann. Insofern stellt sich die Frage: 

 

Epilepsie – was ist das eigentlich?


Epilepsie (altgriechisch epílēpsis = Angriff, Überfall) ist die häufigste, chronische, neurologische Erkrankung. Man schätzt, das fast 1 % aller Menschen in Europa davon betroffen sind. Allein in Deutschland sollen 500 – 650 TSD Menschen an dieser Erkrankung mehr oder weniger leiden. Bei den Tieren nehmen Hunde den größten Anteil ein, Schätzungen gehen von bis zu 5 % aus. Der Anteil der betroffenen Katzen liegt bei „nur“ 0,5 %, für andere Tiergattungen liegen keine Erhebungen/Schätzungen vor. 


 

Epilepsie – das Gewitter im Kopf

 

 

Was passiert bei einem epileptischen Anfall? 

 

Alle Körperfunktionen werden durch das Gehirn gesteuert. Dabei agiert das Gehirn als Schaltzentrale, was Informationen aufnimmt, verarbeitet und an unterschiedliche Zieladressen weiterleitet. 

Dieses geschieht unter Einbeziehung von einer unfassbar großen Anzahl vernetzter Nervenzellen, welche in Bündeln zu Nervenfasern zusammengefasst sind.

Die Nervenzellen haben die Aufgabe Informationen aufzunehmen, diese in elektrochemische Signale umzuwandeln und an die unterschiedlichen Zielorte weiterzuleiten. 

Die Signalübertragung erfolgt durch Neurotransmitter (Botenstoffe), welche durch einen schmalen Spalt zu benachbarten Nervenzellen wandern. 

Es gibt dabei sogenannte „erregende“ und „hemmende“ Neurotransmitter, wobei in einer gesunden Nervenzelle ein Gleichgewicht besteht. 

Eine gesunde Nervenzelle entlädt sich in der Sekunde ca.80 mal, bei Patienten, die an Epilepsie erkrankt sind führen Veränderungen zu einer vielfach erhöhten Entladung (mehrere 100 mal). Diese erhöhten Entladungen können sich wiederholen und ebenfalls mehrere 100 mal am Tag auftreten. Gewitter im Kopf ist dabei eine plakative Beschreibung dieser Vorgänge im Gehirn.

Bei diesen Vorgängen können sich ganze und unterschiedliche Nervenzellverbände entladen, was zu unterschiedlichen Symptomen führen kann, je nachdem welche Aufgabe der betroffene Nervenzellverbund hat. 

Sind z. B. Gehirnregionen betroffen, welche für das Bewusstsein verantwortlich sind, so kann ein Krampfanfall Bewusstlosigkeit auslösen. Ähnliches gilt für den Muskeltonus, Sehfähigkeit und viele andre Körperfunktionen.

Leichte Anfälle werden oftmals kaum wahrgenommen, das betroffene Tier zeigt lediglich leichtes Muskelzucken, Kopfschütteln oder Kaubewegungen. Bei intensiveren Anfällen kommt es zu erweiterten Pupillen, das Tier ist sehr unruhig, gibt teils deutliche Lautäußerungen von sich, auch sind Aggressionen gegenüber Artgenossen oder Tierhalter möglich. Bei sehr intensiven Anfällen kann es zu temporären Bewusstseinsverlusten  kommen. 

Meist können betroffene Tiere nicht mehr stehen, zucken stark mit den Gliedmaßen, speichelt stark (Schaum vorm Maul), verlieren unwillkürlich Urin und Kot, Anzeichen für einen vollständigen Kontrollverlust. 


Mögliche Ursachen einer Epilepsie   

 

Hierbei muss zwischen idiopathischen Epilepsien (neigungsbedingt, genetisch vordispositoniert), welche meist bei Hunden die Ursache ist und symptomatischen Epilepsien (erworben, durch andere primäre Erkrankungen/Ursachen), was oftmals bei Katzen den Grund darstellt.

Bei Hunden sind bestimmte Rassen von dieser Erkrankung häufiger betroffen als andere. Zu den gefährdeten Hunderassen zählen, Australian Shepard, Basset, Beagle, Berner Sennenhund, Bernhardiner, Border Collie, Boxer, Chihuahua, Cocker Spaniel, Collie, Dalmatiner, Deutscher und Belgischer Schäferhund, Golden Retriever, Großer Schweizer Sennenhund, Irischer Setter, Irischer Terrier, Labrador Retriever, Malteser, Mops, Pekinese, Pudel, Schnauzer, Sibirischer Husky, Spitz, Teckel, Yorkshire Terrier.

Einen nicht unerheblichen Anteil machen auch Mischlingshunde aus, wo es natürlich schwierig ist, die Rassefamilien eindeutig zu bestimmen. 


 

Bestimmte Hunderassen (große oder kleine) neigen häufiger zur Epilepsie als andere (Quelle Reihe oben von links nach rechts: Regina Kaute, pixelio.de, Christina Kuzio, pixelio.de, Christian Schnoper, pxelio.de, Reihe unten von links nach rechts: Andrea Brunner, pixelio.de, Hannelore Louis, pixelio.de, Rolf Handke, pixelio.de)


Bei Katzen sind oftmals symptomatische Epilepsien zu beobachten, welche sich aus unterschiedlichen Primärursachen ergeben können.  

 

  • Nekrose des Ammonshorn (Gehirnwindung im Großhirn, welche für die Verhaltenssteuerung zuständig ist)
  • Hirnhautentzündung/Gehirnentzündung durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen (z. B. FIP, FIV)
  • stoffwechselbedingte Gehirnerkrankungen (Nierenversagen, Lebererkrankungen, Hyperthyreose)
  • toxische Gehirnerkrankungen (Pflanzengifte, Medikamente, Insektizide)
  • Gehirntumore (Meningiom, Lymphosarkom des zentralen Nervensystems)
  • Schlaganfall, Verletzung des Gehirns
  • Missbildungen des Gehirns, altersbedingte Gehirnveränderungen
  • Mineralstoffmangel

 

Formen und Ausprägungen epileptischer Anfälle 
 

Epileptische Anfälle werden in zwei Hauptgruppen, nach der Qualität ihrer Ausbreitung unterschieden.

Partielle (fokale) Anfälle finden nur in einem ganz bestimmten Teil des Gehirns statt, sie werden auch als Lokalisationsbezogene Anfälle bezeichnet. Wie vermuten lässt, sind dabei lokal begrenzte Missempfindungen, Zuckungen, Maulbewegungen, Kreislaufen etc. zu beobachten, die meist jedoch nur kurze Zeit andauern.

Bei der dieser Anfallsform bleibt das Bewusstsein i. d. R. erhalten (keine Ohnmacht), nur selten kommt es zu einer Bewusstlosigkeit. Allerdings besteht die Gefahr einer Fehldiagnose aufgrund der beobachten Symptome Rückschlüsse auf andere Erkrankungen zu schließen. Intensive Untersuchungen und sorgfältige Beobachtungen sind für eine richtige Diagnosestellung sehr wichtig, da im Zeitverlauf immer größere Areale des Gehirns betroffen werden können, die Anfallsintensität wächst und daher eine zielgerichtete Behandlung erforderlich ist.

 

 

Deutlich intensiver sind Anfälle der zweiten Gruppe, welche als generalisierte Anfälle bezeichnet werden. Dabei sind bereits viele Teile des Gehirns betroffen und es lässt sich somit kein bestimmter Ort ermitteln von dem der Anfall ausgeht. Derartige Anfälle gehen oftmals mit Bewusstlosigkeit, massiven Muskelkrämpfen, Stürzen etc. einher.  


 


Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, dass allein durch die Schwere eines Anfalls nicht Rückschlüsse auf die Art des Krampfanfalles (Partiell oder generalisiert) gezogen werden können.

Oftmals bedarf es provozierender Faktoren um einen Anfall auszulösen. So kann ein übersteigertes Sexualempfinden eines Rüden einen epileptischen Anfall auslösen. Auch Stress, übermäßige Angst oder Freude, starke körperliche Belastungen etc. können die Auslösung eines Anfalls bewirken.

 

Ein epileptischer Krampfanfall ist in der Regel in mehrere Phasenabschnitte aufgeteilt,  

 

  • Präiktal (Zeitraum vor einem Anfall, wird auch als Prodromalphase bezeichnet)
  • Iktal (Zeitraum während eines Anfalls)
  • Postiktal (Zeitraum nach einem Anfall)

Die präiktale Phase bezeichnet das Vorstadium eines Anfalles. Viele Tiere zeigen moderate Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe/Nervosität, Wahrnehmungsstörungen/Schwindel, Ängstlichkeit, Anhänglichkeit, Rückzug etc. was viele Tierhalter oftmals kaum bemerken und unauffällig ist. 

Die Phase kann sehr kurz (wenige Minuten), aber auch u. U. sehr lang (viele Stunden) anhalten.

 

Die iktale Phase beinhaltet den Zeitraum des eigentlichen Anfalls, wo übermäßige Entladungs-prozesse im Gehirn stattfinden (Gewitter im Kopf). Deutlich wahrnehmbar ist dieser Zustand für Tierhalter ein sehr besorgniserregendes, manchmal panikverursachendes Ereignis (das Tier liegt zuckend auf der Seite und krampft, speichelt stark, verliert Kot und Urin, verliert ggf. das Bewusstsein), welches oftmals im Nachhinein zu subjektiven Fehleinschätzungen hinsichtlich Ausprägung und Zeitdauer führt. Diese Phase sollte  selbstlimitierend nur wenige Minuten andauern. Länger andauernde Anfälle (über 5 Minuten) können lebensgefährlich sein, sie werden auch als Staus epilepticus bezeichnet und müssen zeitnah medikamentös behandelt werden. 

 

In der iktalen Phase kommt es zu sichtbaren Symptomen, sie sollte jedoch nur wenige Minuten andauern (Quelle: angieconscious, pixelio.de)


In der sich anschließenden postiktalen Phase (Nachanfallsphase) kommt das Tier wieder zu sich, wenngleich auch noch Auswirkungen des Anfalles bestehen können. So können sich noch verhaltensauffällige Symptome zeigen (s.o.), das Tier erkennt ggf. seinen Besitzer nicht sofort wieder, Schwindel und Gangunsicherheit können ebenfalls bestehen. Diese Phase kann ebenfalls unterschiedlich lang andauern (bis zu mehreren Stunden).

Meist besteht ein hoher Erschöpfungsgrad, d. h. die Tierebenötigen eine ausgiebige Ruhephase. Aufgrund des hohen Energieverlustes könnenTiere in dieser Phase auch abnormer Hunger zeigen. 


 

Erschöpfung und/oder großer Hunger – typische Folgen eines epileptischen Anfalls

 

Möglichkeiten und Verfahren der Diagnoseerstellung 

 

Krampfartige Anfälle sind nicht immer mit Epilepsie gleichzusetzen. Verschiedene andere Erkrankungen können ebenfalls ähnliche Symptomeverursachen. So kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie), massive Stoffwechselstörungen,  schwerer Sauerstoffmangel (Hypoxie), Medikamentenunverträglichkeit  oder Vergiftungen eine ähnliche Symptomatik zeigen. 

Derartige Anfälle werden dann als Gelegenheitsanfälle bezeichnet, dürfen aber auf gar keinen Fall regelmäßig auftreten.

Zunächst muss im Rahmen einer seriösen Anamnese ein ausführliches Gespräch mit dem Tierhalter erfolgen. Hilfreich sind dabei vom Tierhalter gemachte Aufzeichnungen (z. B. in Form eines sog. Anfallskalender), wann, wie lange und mit welchen Ausprägungen der/die Anfall/Anfälle stattgefunden haben. Ideal sind auch Videoaufzeichnungen, die das Geschehen unverfälscht und ohne Interpretationen zeigen.

 

Der sog. Anfallskalender dokumentiert stattgefundene Anfälle


Im Anschluss erfolgt eine gründliche neurologische Untersuchung, die zeigt ob das Tier neurologische Defizite hat. 

 

Eine gründliche Untersuchung sollte Bestandteil der Anamnese sein


Auch wären Blut und Urinuntersuchung hinsichtlich einer zielführenden Diagnose sinnvoll. Oftmals kann bei ausreichenden Informationen und Ergebnissen der einzelnen Untersuchungen bereits eine abschließende Diagnose gestellt werden. 

 

Blut- und Urinuntersuchungen leisten einen wichtigen Beitrag für eine seriöse Diagnose


Sollte immer noch eine unklare Situation bestehen so wären bildgebende Diagnoseverfahren (Computer-/Kernspin-/Magnetresonanztomographie) möglich, die jedoch aufwendig sind und hohe Kosten verursachen (etliche hundert Euro) und auch durch die erforderliche Narkose bestimmte Risiken beinhalten. 

Computer-/Kernspin-/Magnetresonanztomographie – als bildgebende Diagnoseverfahren, können sinnvoll sein, sind aber sehr kostenaufwendig


Nachfolgend kann unter Umständen eine Liquorpunktion (Untersuchung des Gehirnwassers) ggf. als Nachweis für bestehende Entzündungen Sinn machen. 

Das Standardverfahren aus der Humanmedizin, die Elektroenzephalografie (EEG) – hier wird die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen - kann bei Tieren hinsichtlich ihrer unzureichenden Kooperationsbereitschaft nicht angewendet werden, da eine absolute Ruhigstellung des Patienten (bei vollem Bewusstsein, ohne Sedierung) Voraussetzung für ein brauchbares Ergebnis ist.


Schulmedizinische Behandlungsansätze 

 

Die Standardtherapie sieht den Langzeiteinsatz von antiepileptischen Medikamenten (Antiepileptika) vor. Hiermit sollen Anfälle vermieden bzw. unterdrückt werden. Die Dosierung wird dabei experimentell ermittel und kann  individuell sehr unterschiedlich sein. Die in der Tiermedizin eingesetzten Hauptwirkstoffe Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, und Kaliumbromid werden jedoch in der Humanmedizin aufgrund der schlechten Verträglichkeit und Nebenwirkungen kaum noch eingesetzt. Neue, für den Humanbereich entwickelten Medikamente sind hinsichtlich ihrer geringen Halbwertzeiten (die Wirkungsweise liegt oftmals nur bei ein bis zwei Stunden) sowie durch die ebenfalls starken Nebenwirkungen für Tiere ungeeignet.

Bei den oben aufgeführten und in der Tiermedizin eingesetzten Wirkstoffen ist oftmals mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen.

Phenobarbital, das hauptsächlich eingesetzte Mittel (enthalten in Medikamenten wie z. B. Luminal, Phenobarbital-neuraxpharn), wurde ursprünglich als Schlafmittel/Barbiturat verwendet, ab 1992 dürfen aufgrund der bestehenden Nebenwirkungen Schlafmittel diesen Wirkstoff nicht mehr enthalten. Die Einsatzmöglichkeiten beschränken sind daher lediglich für die Behandlung von Epilepsien und zur Narkosevorbereitung. Bei Überdosierungen können spontan lebensbedrohliche Zustände auftreten. 

Folgende Nebenwirkungen können (oftmals häufig) allein oder in Kombination auftreten: 

 

  • übermäßige Müdigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit
  • Schwindel, Koordinationsstörungen bei Bewegungsabläufen, Nachhandschwäche (Ataxie)
  • Verwirrtheit, Störung der Sexualfunktion (verminderte Libido, Impotenz)
  • paradoxe Reaktionen wie Erregungszustände, Aggressivität
  • erhöhter Appetit, Gewichtszunahme, erhöhtes Trinkverhalten 
  • Entwicklung einer Medikamentenabhängigkeit
  • erheblicher Anstieg der Leberenzyme
  • Schädigungen der Leber durch eine dauerhafte Höchstleistungen
  • Nierenfunktionsstörungen, insbesondere bei Vorschädigung

 

Die o. a. Nebenwirkungen gelten auch für Phenytoin (enthalten in Medikamenten wie z. B. Epanutin, Phenhydan, Zentropil, Epilan, Dilantin) und Primidon (enthalten in Medikamenten wie z. B. Mylepsinum, Mysoline, Liskantin) gleichermaßen, wobei bei Primidon mit deutlich stärkeren Nebenwirkungen zurechnen ist.

 

Kaliumbromid (enthalten in Medikamenten wie z. B. Dibro-Be, Libromide) wird bei therapieresistenten Tieren eingesetzt, die auf die o. a.Medikamente nicht oder nur unzureichend reagieren, oder werden in Ergänzung zu den o. a. Mittel gegeben. 

Meist ist dabei eine Futterumstellung erforderlich, außerdem ist streng auf eine limitierte Kochsalzaufnahme zu achten, da ansonsten die Wirkungsweise dieses Mittels beeinträchtigt wird.

Zwar verursacht Kaliumbromid keine Leberschädigungen, es können jedoch die nachfolgende aufgeführten Nebenwirkungen verstärkt auftreten 

 

  • Polydipsie (gesteigertes Durst-/Trinkverhalten)
  • Polyurie (erhöhte Harnausscheidungen)
  • Polyphagie (gesteigertes Appetitverhalten), Gewichtszunahme
  • Nierenschädigungen, insbesondere bei Vorschädigungen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Somnolenz (Bewusstseinsstörungen/Müdigkeit/Benommenheit)
  • Koordinationsschwierigkeiten Schwäche der Hinterhand (Ataxie)
  • Verhaltensveränderungen (Reizbarkeit, Unruhe, Konzentrationsschwäche etc.)
  • Störungen des Magen-/Darmtraktes, Bauchschmerzen, Durchfälle
  • Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse (selten)
  • Dermatitis erythematosa (Bromausschlag) 

 

Bei Katzen (nicht bei Hunden) wird auch Diazepam (z. B. Valium, Valocordin-Diazepam) in Tropfenform bei Fällen eingesetzt, wo eine Medikamentengabe in Tablettenform (gilt für die bisher genannten Mittel) nicht funktioniert. 

Allerdings bestehen auch hier nicht unerhebliche Nebenwirkungen, wie starke Leberzellnekrosen bis hin zu einem akuten Leberversagen, Hyperaktivität, starke Appetitsteigerungen und auch Medikamentenabhängigkeiten können sich entwickeln. In der Schulmedizin wird Diazepam als Mittel der zweiten Wahl klassifiziert. 


 

Die von der Schulmedizin eingesetzten Medikamente haben oftmals massive Nebenwirkungen, die nicht unterschätzt werden dürfen

 

Weitere Methoden, welche erfolgreich in der Humanmedizin eingesetzt werden können, sind in der Tiermedizin (zumindest aktuell) nicht verfügbar.

So scheidet eine chirurgische Behandlung (dabei wird der epileptogene Herd z. B. durch einen Thermokauter zerstört) aus, da die erforderlichen diagnostischen Möglichkeiten (z. B. EEG) fehlen um den Epilepsieherd exakt zu bestimmen. 

Außerdem müsste eine derartige Operation unter Lokalanästhesie, am wachen, rückmeldefähigem Patienten erfolgen um Verletzungen lebenswichtiger Areale auszuschließen. 

Ähnliches gilt für die in der Humanmedizin erfolgreich durchgeführten Vagusstimulationen, wobei auch die extrem hohen Kosten den Einsatz in der Tiermedizin ausschließen würden.    

 

Naturmedizinische Behandlungsansätze

 

Der naturmedizinische Behandlungsansatz folgt einer ganzheitlichen Betrachtungsweise und versucht den Organismus als Ganzes in Einklang zu bringen. 

Während der schulmedizinische Ansatz lediglich eine pathologische Symptomatik unterdrückt bzw. versucht sie auszuschalten, so versuchen naturmedizinische Ansätze den gesamten Organismus zu regulieren und Körperfunktionen zu normalisieren/optimieren. Dabei werden eine Vielzahl anderer Funktionen und Abläufe mit einbezogen und berücksichtigt, so dass unerwünschte Nebenwirkungen in der Regel ausbleiben. Daher macht es Sinn die im Zusammenhang mit der Erkrankung stehenden Prozesse ebenfalls in die Behandlung mit ein zu beziehen um so eine ganzheitliche und übergreifende Therapie zu gewährleisten.

Dieses geschieht immer unter der obersten Prämisse, dass dem Tier eine möglichst akzeptable und gute Lebensqualität ermöglicht wird. Das ist auch insofern wichtig, da Epilepsie ja nicht heilbar ist und daher lebenslang dauerbehandelt werden muss, wofür ein starker Organismus benötigt wird, der sich dieser Erkrankung entgegen stellen kann.

So würde ein naturmedizinischer Ansatz bei einer Epilepsie folgende Teilbereiche des Organismus berücksichtigen, stärken und insgesamt optimieren. 

 

  • Behandlung der eigentlichen Erkrankung Epilepsie
  • Behandlung der Entgiftungsorgane Leber und Niere
  • Behandlung des Immunsystems (im Sinne einer Stärkung)
  • Erstellung eines geeigneten Ernährungskonzeptes zur Optimierung des Stoffwechsels 

 


Natürlich muss die eigentliche Erkrankung (Epilepsie) primär behandelt werden. Durch unterschiedliche Mittel, aus verschiedenen Therapieansätzen (z. B. Homöopathie, TCM, Biochemische Medikamente, Phytotherapie, Mykotherapie u.a.) kann die Anzahl, Stärke und Dauer von Krampfanfällen reduziert, idealerweise beseitigt werden. 

In der Praxis hat sich bewährt, eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen einzusetzen um so die Erkrankung von unterschiedlichen Seiten her anzugehen (z. B. Homöopathie - TCM -Mykotherapie).

 

Da erwiesenermaßen Toxine sich sehr negativ und verstärkend auf eine vorhandene Epilepsie auswirken, sollte ein entsprechendes Behandlungskonzept dieses berücksichtigen.

Toxine werden durch unterschiedliche Ursachen generiert und fallen auch im Rahmen von Stoffwechselprozessen an, die Aufnahme/Anreicherung ist also im Zeitablauf nicht zu verhindern. Regelmäßige Entgiftungskuren, die sanft und langsam aber kontinuierlich wirken sollten Anwendung finden. Ebenso sollten die entscheidenden Entgiftungsorgane Leber und Niere unterstützt und gestärkt werden, damit sie ihre Funktionen optimal erfüllen können. Auch hier gibt es sehr effiziente und verträgliche naturmedizinische Medikamente aus unterschiedlichen Therapieansätzen.

 

Das Immunsystem eines Organismus dient als „körpereigene Waffe“, als „biologisches Abwehrsystem“ gegen Infektionen, Parasiten, Krankheitserreger etc. Ist die Funktionalität des Immunsystems eingeschränkt, so entstehen Infektionen und Erkrankungen die auf den Organismus belastend wirken und andere Körperfunktionen wiederum einschränken. 

Es kann sich eine unheilvolle Spirale ergeben, die am Ende den Tod des Lebewesens beinhaltet. Patienten, welche unter Epilepsie leiden, sollten daher einen besonders Schutz durch ein starkes Immunsystem haben um zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Um das Immunsystem zu stärken oder aufzubauen sind temporär begrenzte Kuren, aber auch dauerhafte Anwendungen möglich, was vom individuellen Einzelfall abhängig ist.

 

Eine spezielle und ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Anfallshäufigkeit haben. Anders herum würde eine ungeeignete Ernährung einen negativen Einfluss bewirken und ggf. Krampfanfälle begünstigen. Insbesondere stehen künstliche Zusatzstoffe (Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker etc.) in dem Verdacht Krampfanfälle hervor zurufen und sollten daher unbedingt vermieden werden. 

Unter Berücksichtigung einer optimalen Leberfunktion sollten proteinreduzierte Futtermittel jedoch mit hochwertigen, leicht verdaulichen Eiweißen gegeben werden. Bestimmte Spurenelemente und Vitamine (z. B. Zink, Vitamin E) sollten in eher erhöhten Mengen aufgenommen werden, andere wie z. B. Vitamin A und Kupfer sollten eher reduziert in Futtermitteln enthalten sein. 

Auch sollte ein hoher Anteil essenzieller Aminosäuren in den Futtermitteln vorhanden sein und ein Kalziummangel unbedingt vermieden werden. Übergewichtige Tiere sollten langfristig ihr Normalgewicht erreichen.

Empfehlenswert sind getreidefreie Futtermittel mit hochwertigem Proteinanteil, auch die Umstellung auf BARFEN kann eine sinnvolle Ernährung darstellen. 


 

Auf eine geeignete Ernährung sollte bei Epilepsiepatienten besonders geachtet werden


Abschließendes Resümee 

 

Aus den bisherigen Ausführungen wird ersichtlich, dass es sich bei Epilepsie um eine hochkomplexe, vielschichtige und dauerhafte Erkrankung handelt, für die es auch nicht

„die Therapie“ gibt. 

Oftmals ist die Erkrankung hinsichtlich ihrer Intensität fortschreitend, insbesondere im Fall einer Nichtbehandlung. Intensive langanhaltende Anfälle können dabei lebensbedrohend sein, Epilepsie ist aber nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil. 

Das eine möglichst frühzeitige Behandlung durch einen Tiermediziner erfolgen muss sollte dabei einleuchtend sein.

Jeder Fall erfordert die Berücksichtigung individueller Gegebenheiten und ein speziell für das erkrankte Tier entwickelte Behandlungskonzept. Durch die Krankheit an sich, sowie den vielen möglichen Einflussnahmen durch sekundäre Begleitumstände (Parallelerkrankungen, Einfluss von Haltungsbedingungen, Ernährung, Umfeld- und Umwelteinflüsse etc.) ist eine engmaschige Begleitung durch einen Tiermediziner unabdingbar, um bei Bedarf schnellstmöglich regulativ eingreifen zu können.

Die Entscheidung ob ein schulmedizinischer oder naturmedizinischer Behandlungsansatz zur Anwendung kommen soll obliegt dem Tierhalter, ggf. macht auch eine Kombination Sinn.

Mit einer guten und erfolgreichen Therapie ist die Lebenserwartung eines Epilepsiepatienten nicht gemindert und auch die Lebensqualität sollte nicht eingeschränkt sein, so dass trotz Epilepsie eine schöne gemeinsame Zeit mit Ihrem Tier möglich ist.


 

Lebensfreude trotz Erkrankung – mit einer geeigneten Behandlung durchaus möglich (Quelle Bild links: Jewgenia Stasiek, pixelio.de, rechts: Uschi Dreiucker, pixelio.de)


Bei Fragen zum Thema oder zu einem Behandlungsansatz können Sie uns gerne ansprechen.


 

Ihre Tierheilpraxis Materia Medica

 

Kontakt:   

Tierheilpraxis Materia Medica

Thomas Freund

Tierheilpraktiker

 

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